So macht smaXtec regionale Muster rund um Shamonda sichtbar
- Gesundheit
Das Shamonda-Virus beschäftigt derzeit viele Milchviehbetriebe in Europa. Gleichzeitig sind wir mit unserem Wissen dazu noch ganz am Anfang: Die beobachteten Symptome sind unspezifisch und wegen fehlender oder nicht einheitlicher Meldepflichten gibt es derzeit kein vollständiges Bild der tatsächlichen Verbreitung. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) weist für Deutschland ausdrücklich darauf hin, dass deshalb keine mit meldepflichtigen Tierseuchen vergleichbare Verbreitungskarte auf Basis bestätigter Fälle erstellt werden kann. [1, 6]
Für smaXtec stellt sich bei einem neuen Krankheitsgeschehen aber immer diese eine wichtige Frage: Was können wir aus den kontinuierlich erfassten Daten aus dem Inneren der Kuh lernen und welchen Vorteil hat das für unsere Kunden?
Wenn Betriebe mit einem veterinärmedizinisch eingeordneten Krankheitsgeschehen bestimmte Veränderungen in ihren Tierdaten zeigen, können wir diese Daten nutzen. smaXtec beobachtet dafür, wie häufig und mit welcher Intensität ähnliche Muster und Symptome innerhalb unseres anonymisierten Datenbestands regional und im zeitlichen Verlauf auftreten. Genau das haben wir gemacht.
Ausgangspunkt: Referenzbetriebe mit aktuellem Krankheitsgeschehen
Für unsere Analyse haben wir smaXtec-Betriebe als Referenz herangezogen, bei denen ein aktuelles Krankheitsgeschehen veterinärmedizinisch eingeordnet wurde.
Die Evidenz reicht von einem labordiagnostisch bestätigten Virusnachweis bis zu tierärztlich dokumentierten klinischen Bildern, die mit dem Krankheitsgeschehen einhergehen und bei denen im Rahmen der Diagnostik andere naheliegende Ursachen ausgeschlossen wurden. Bei einzelnen Betrieben waren die labordiagnostischen Abklärungen zum Analysezeitpunkt noch nicht abgeschlossen.
Anschließend haben wir die physiologischen Daten aus den jeweiligen Zeiträumen analysiert. Im Fokus standen wiederkehrende Veränderungen der inneren Körpertemperatur, die dem Krankheitsgeschehen entsprachen – sowohl bei einzelnen Tieren als auch auf Gruppenebene.
Das Ergebnis ist ausdrücklich kein diagnostisches „Shamonda-Muster“. Es ist ein krankheitsassoziiertes Referenzmuster, das aus Daten der Referenzbetriebe und den dort beobachteten Krankheitszeiträumen abgeleitet wurde.
Krankheit oder Hitzestress?
Gerade im Sommer ist eine erhöhte Körpertemperatur allein wenig aussagekräftig, da auch Hitzestress die Physiologie ganzer Tiergruppen beeinflussen kann. Das Schweizer Institut für Virologie und Immunologie (IVI) weist darauf hin, dass ein möglicher Zusammenhang zwischen der damaligen Hitzeperiode und den beobachteten Krankheitsgeschehen in der Schweiz noch nicht abschließend geklärt ist, denn hohe Temperaturen belasten insbesondere Hochleistungsmilchkühe stark. [4]
Um solche Zusammenhänge korrekt einzuordnen, ist ein historischer Datenkontext besonders wichtig. Dafür greifen wir auf langjährige Monitoring-Daten von mehr als einer Million Milchkühen zurück. Sie zeigen typische Temperaturverläufe von Tiergruppen unter Hitzestress aus vergangenen Hitzeperioden. So können wir bekannte Hitzemuster erkennen, bei der Analyse berücksichtigen und Auffälligkeiten aus den Referenzbetrieben in einen größeren physiologischen Kontext einordnen.
Das bedeutet nicht, dass smaXtec anhand eines Temperaturverlaufs Shamonda diagnostizieren oder andere Ursachen sicher ausschließen kann. Die Daten ermöglichen lediglich den Vergleich mit bekannten physiologischen Mustern, die auf über viele Jahre hinweg gesammelten, präzisen Daten beruhen.
Von Referenzmustern zu anonymisiertem Pattern Matching
Im nächsten Schritt haben wir die Referenzmuster mittels Pattern Matching mit unserem anonymisierten Datenbestand verglichen. Dabei haben wir untersucht, wie sich Häufigkeit und Intensität ähnlicher physiologischer Muster über größere Regionen und im zeitlichen Verlauf verändern. Die Daten werden dafür anonymisiert und aggregiert verarbeitet und ausgewertet. Die Visualisierung lässt also keine Rückschlüsse auf einzelne Tiere oder Betriebe zu.
So wird die Entwicklung im regionalen Datenbild sichtbar
Die Visualisierung zeigt, wie sich vergleichbare physiologische Muster im anonymisierten smaXtec-Datenbestand räumlich und zeitlich entwickeln. Dabei entsteht kein Bild einzelner Betriebe oder Fälle, sondern eine großräumige, aggregierte Darstellung.
Die Farben zeigen, wie stark entsprechende Muster zu einem bestimmten Zeitpunkt auftreten und wie sich ihre Intensität im Zeitverlauf verändert. Eine höhere Intensität weist auf eine stärkere Verdichtung vergleichbarer physiologischer Muster hin. Mit dem Zeitregler lässt sich beobachten, wo Verdichtungen entstehen, wie sie sich räumlich verändern und wann sie wieder abklingen.
Die Visualisierung zeigt nicht die Verbreitung des Shamonda-Virus. Sie zeigt keine bestätigten Fälle, keine Fallzahlen, keine infizierten Betriebe, keine Prävalenz und kein individuelles oder regionales Infektionsrisiko. Ähnliche physiologische Temperaturmuster können auch andere gesundheitliche, biologische oder umweltbedingte Ursachen haben.
Warum ist smaXtec relevant bei der Beobachtung des Shamonda-Virus?
Bei einem neu auftretenden Krankheitsgeschehen wie dem Shamonda-Virus entsteht Wissen Schritt für Schritt. Veterinärmedizinische Untersuchungen und Labordiagnostik sind entscheidend, wenn es darum geht, einen Erreger tatsächlich nachzuweisen. Kontinuierliche physiologische Daten können eine wichtige Rolle dabei spielen und eine zusätzliche Perspektive eröffnen: Wenn ein Krankheitsgeschehen bekannt ist, können wir rückblickend untersuchen, was währenddessen physiologisch in den Tieren und Tiergruppen sichtbar war. Ein großer longitudinaler Datensatz ermöglicht es, solche Muster mit historischen, anonymisierten Daten zu vergleichen und sie gegenüber bekannten Einflussfaktoren – wie etwa Hitzestress – einzuordnen.
Genau darin liegt der Unterschied zu einer Fallkarte: Es geht nicht darum zu zeigen, welcher Betrieb betroffen ist. Vielmehr geht es darum, mithilfe vieler geschützter Datenpunkte ein größeres Bild davon zu zeichnen, welche physiologischen Veränderungen aktuell sichtbar werden.
Für smaXtec zeigt sich darin das große Potenzial kontinuierlich erfasster Daten direkt aus dem Inneren der Kuh: Sie können nicht nur Veränderungen bei einzelnen Tieren frühestmöglich sichtbar machen, sondern mit zunehmender Datentiefe auch dabei helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen, neue Entwicklungen einzuordnen und zusätzliche Orientierung für die Milchviehhaltung zu schaffen.
Was bedeutet das für meinen Betrieb?
Wenn Tiere auffällig werden, sollten smaXtec-Daten stets gemeinsam mit dem klinischen Zustand der Tiere und weiteren betrieblichen Informationen beurteilt werden. Zu den derzeit bei Shamonda beobachteten Symptomen zählen laut offiziellen Stellen unter anderem: Fieber, deutlicher Milchrückgang, Fressunlust und Durchfall. Bei solchen Symptomen, Aborten oder anderen ungewöhnlichen Auffälligkeiten sollte der Bestandstierarzt hinzugezogen werden. [4, 5]
Die interaktive Darstellung von smaXtec ist eine zusätzliche Orientierung für die Bestandsbeobachtung – keine Diagnose.
Shamonda: Was offizielle Stellen aktuell wissen
Stand: 7. September 2026
Die folgenden Informationen stammen nicht aus der smaXtec-Datenanalyse, sondern aus aktuellen Veröffentlichungen veterinärmedizinischer Behörden und Forschungsinstitute.
Was ist das Shamonda-Virus?
Bei den derzeit in Europa auftretenden Viren handelt es sich um Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe. Das in Europa neu nachgewiesene Virus ist eng mit dem bereits bekannten Shamonda-Virus und dem Schmallenberg-Virus verwandt. Die österreichischen Behörden weisen darauf hin, dass die endgültige taxonomische Einordnung und Benennung noch nicht abgeschlossen ist. [1]
Am 1. September 2026 meldete das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ein zweites Shamonda-Virus-verwandtes Orthobunyavirus in Deutschland. Zur Unterscheidung bezeichnet das FLI die zuerst vor allem in Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich beobachtete Variante als Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) und die weitere Variante als Shamonda-Virus Europe 2 (SHAV-EU2). Die Untersuchungen weisen auf zwei unterschiedliche Einschleppungs- und Ausbreitungsereignisse hin, deren Verbreitungsgebiete sich regional bereits überschneiden. [2]
Wie wird das Virus übertragen?
Nach aktuellem Kenntnisstand erfolgt die Übertragung hauptsächlich über blutsaugende Gnitzen der Gattung Culicoides. Eine direkte Übertragung zwischen Tieren oder über kontaminierte Gegenstände ist bislang nicht belegt. [1]
Welche Symptome werden beobachtet – und wie lange dauert das Krankheitsgeschehen?
Das Schweizer Institut für Virologie und Immunologie berichtet bei betroffenen Rinderbetrieben vor allem über:
- Fieber über 40 °C, häufig über ein bis zwei Tage
- starken bis massiven Milchrückgang
- Fressunlust
- Durchfall
Bei nahezu allen vom Institut erfassten betroffenen Rinderbetrieben dauerte das Krankheitsgeschehen etwa 14 bis 21 Tage. Diese Zeitangabe bezieht sich auf den Betrieb und nicht auf die Krankheitsdauer eines einzelnen Tieres. [4]
Die österreichischen Behörden berichten ebenfalls über Fieber, Durchfall und Milchleistungsrückgang. Bei Nachweisen in Österreich wurden außerdem unter anderem respiratorische Symptome und Lahmheit beobachtet. Sie betonen ausdrücklich, dass die Symptome unspezifisch sind und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. [1]
Was ist über Trächtigkeit, Aborte und Kälber bekannt?
Das Virus wurde in der Schweiz auch in Proben mehrerer abortierter Rinderföten aus unterschiedlichen Beständen nachgewiesen. Die österreichischen Behörden weisen darauf hin, dass das Virus während der Trächtigkeit die Plazenta passieren und den Fötus infizieren kann. [4, 1]
Welche Folgen eine Infektion während der Trächtigkeit insgesamt hat und in welchem Umfang sie zu Aborten, Totgeburten oder Fehlbildungen führen kann, ist derzeit jedoch noch nicht abschließend geklärt. Das FLI empfiehlt daher, Aborte, Totgeburten und missgebildete Kälber oder Lämmer aus möglicherweise betroffenen Beständen besonders aufmerksam untersuchen zu lassen. [3]
Besteht ein Risiko für Menschen?
Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es keine Hinweise auf ein relevantes Infektionsrisiko für Menschen. Viren der Simbu-Serogruppe gelten in der Regel nicht als relevante Zoonoseerreger. [1, 3]
Wohin wende ich mich bei einem Verdachtsfall?
Deutschland: Wegen fehlender Meldepflichten erfolgt derzeit keine einheitliche Erfassung aller Shamonda-Fälle. Bei klinischem Verdacht ist der Bestandstierarzt die erste Anlaufstelle. Das FLI hat den Veterinärlaboren der Bundesländer Testprotokolle zur Verfügung gestellt, sodass Verdachtsfälle in den zuständigen Landeslaboren untersucht werden können. [6, 7]
Österreich: Das Shamonda-Virus ist derzeit nicht meldepflichtig und unterliegt keinen eigenen behördlichen Bekämpfungsmaßnahmen. Da die beobachteten Symptome jedoch auch bei anzeige- oder meldepflichtigen Tierseuchen vorkommen können, sollen auffällige Krankheitsgeschehen umgehend tierärztlich abgeklärt werden. Die zuständige Behörde kann bei entsprechendem Verdacht weitere Untersuchungen zum Ausschluss anderer Tierseuchen veranlassen. [1]
Schweiz: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen empfiehlt Tierhaltenden, bei Fieber, Durchfall, deutlichem Milchrückgang, Abort oder anderen Auffälligkeiten umgehend den Tierarzt zu kontaktieren. Das IVI führt entsprechende Untersuchungen durch und weist darauf hin, dass der direkte Virusnachweis bei adulten Tieren insbesondere in der frühen Krankheitsphase erfolgversprechend ist. [5, 4]
Wichtiger Hinweis zur smaXtec-Datenanalyse
Die dargestellte smaXtec-Auswertung ist kein Virusnachweis, keine Diagnose und keine epidemiologische Bewertung der tatsächlichen Verbreitung oder des Risikos einer Shamonda-Infektion.
Grundlage der Analyse sind physiologische Daten aus smaXtec Referenzbetrieben mit veterinärmedizinisch eingeordnetem aktuellem Krankheitsgeschehen.
Die Evidenz reichte von einem labordiagnostisch bestätigten Virusnachweis bis zu tierärztlich dokumentierten klinischen Bildern, die mit dem Krankheitsgeschehen einhergehen und bei denen im Rahmen der Diagnostik andere naheliegende Ursachen ausgeschlossen wurden. Bei einzelnen Betrieben waren die labordiagnostischen Abklärungen zum Analysezeitpunkt noch nicht abgeschlossen.
Anschließend wurden die physiologischen Daten aus den jeweiligen Zeiträumen von uns analysiert. Im Fokus standen wiederkehrende Veränderungen der inneren Körpertemperatur, die dem Krankheitsgeschehen entsprachen – sowohl bei einzelnen Tieren als auch innerhalb der jeweiligen Tiergruppen.
Bekannte Hitzestressperioden und entsprechende Gruppenmuster wurden bei der Einordnung berücksichtigt.
Die Visualisierung zeigt, wie sich vergleichbare physiologische Muster im anonymisierten smaXtec-Datenbestand räumlich und zeitlich entwickeln. Dabei entsteht kein Bild einzelner Betriebe oder Fälle, sondern eine großräumige, aggregierte Darstellung.
Anschließend wurde mittels Pattern Matching untersucht, wie häufig und mit welcher Intensität vergleichbare physiologische Verläufe innerhalb des anonymisierten smaXtec-Datenbestands räumlich und zeitlich auftreten.
Ein Pattern Match ist kein Nachweis einer Shamonda-Infektion.
Die Visualisierung zeigt keine bestätigten Fälle, Fallzahlen, Infektionsraten, Prävalenzen oder regionalen beziehungsweise individuellen Virusrisiken. Sie stellt ausschließlich ein aggregiertes regionales und zeitliches Datenbild physiologischer Muster dar, die Ähnlichkeiten zu den in den Referenzbetrieben beobachteten Verläufen aufweisen.
Die zugrunde liegenden Daten werden anonymisiert und aggregiert verarbeitet. Rückschlüsse auf einzelne Tiere oder Betriebe sind aus der Darstellung nicht möglich.
Offizielle Informationsquellen
Quellenstand: 7. September 2026. Alle Links wurden für diese Fassung geprüft.
[3] Friedrich-Loeffler-Institut (FLI): Tierseuchengeschehen: Shamonda-Virus
[4] Institut für Virologie und Immunologie (IVI), Schweiz: Shamonda-Virus in der Schweiz