Subakute Pansenazidose: Wiederkehrende Übersäuerung im Pansen

Subakute Pansenazidose, kurz SARA (eng. Subacute ruminal acidosis), ist eine durch vor allem nicht wiederkaugerechtem Futter ausgelöste Verdauungsstörung, bei der der pH-Wert des Pansens auf ein zu tiefes Niveau absinkt. Es ist ein typisches Problem der modernen Hochleistungskuh. 19% bis 26% der früh- und hochlaktierenden Kühe können betroffen sein. SARA kann in Verbindung mit ihren Folgeerkrankungen zu hohen wirtschaftlichen Verlusten führen. [1] [2]

Dieser Artikel beschäftigt sich mit Arten von Azidose und den Anzeichen, die auf eine subakute Pansenazidose hinweisen. Außerdem soll im Detail auf die Diagnosestellung und Hilfsmittel zur Diagnosestellung eingegangen werden.

Arten der Azidose

Eine Pansenazidose kann in zwei Ausprägungen auftreten, zum einen als subakute und zum anderen als akute Pansenazidose. Der normale pH-Wert im Pansen liegt im Bereich zwischen 6,2 und 7,0. Laut Literatur tritt eine subakute Pansenazidose auf, wenn der pH-Wert für über 300 Minuten unter dem Bereich 5,8 fällt. Die akute Pansenazidose tritt auf, wenn sich der pH-Wert länger unter 5,5 befindet. Die akute Pansenazidose kommt viel seltener vor, ist jedoch lebensbedrohlich. [3]

Bei SARA kommt es vor, dass der pH-Wert von 5,5 oder geringer immer wieder auf einen Wert über 6,0 zurückkehrt. Dies bedeutet somit, dass SARA eine wiederkehrende Übersäuerung ist. Durch die wiederkehrende Übersäurung im Vormagensystem wird nicht nur die Pansenflora gestört auch die Pansenwand und deren Schleimhaut wird gereizt und zum Teil entzündet. [4]

Bei der akuten Pansenazidose kommt es zu einer Verweigerung der Futteraufnahme und die Milchleistung ist deutlich verringert. Tiere, die an einer akuten Pansenazidose leiden, haben auffällig hellen und säuerlich riechenden Durchfall. Außerdem kann kein Wiederkauen beobachtet werden und die Tiere riechen sauer aus dem Maul. Wird diese Form der Azidose nicht behandelt, kann es zum Festliegen und zum Tod des Tieres führen. [2]

Die Symptome einer subakuten Pansenazidose zu erkennen und die richtige Diagnose zu stellen ist oftmals sehr schwierig, da es sich um ein sehr komplexes Geschehen auf Herdenbasis handelt und die Symptome wenig spezifisch sind. Folgend wird darauf näher eingegangen.

Ursachen und Symptome von subakuter Pansenazidose

Ursache einer Pansenazidose ist in der Regel eine Überversorgung mit Kohlenhydraten, ein Defizit an Struktur (strukturwirksame Rohfaser in der Ration) sowie in Folge ein Absinken der Pufferung. Zusätzlich kann der Säuregehalt im Futter einen Einfluss auf den pH-Wert im Pansen haben. [3] SARA tritt oft in der Frühlaktation auf, wenn der Anteil an Kraftfutter in der Ration erhöht ist. Bei nicht wiederkaugerechten Fütterung kann aber auch im zweiten oder dritten Laktationsstadium eine SARA auftreten. Ursachen hierfür sind eine zu hohe Stärkeversorgung bei rückläufiger Milchleistung. Besonders weidende Tiere sind anfällig für diese Erkrankung, da sie vorwiegend junges, strukturarmes Gras zu sich nehmen. [5]

Einige Risikofaktoren können subakute Pansenazidose begünstigen:

  • Rationskalkulation
    • Strukturierte Rohfaser unter 10 %
    • Futterrationen mit hohem Anteil schnell abbaubarer Kohlenhydrate
    • Fehlkalkulation der TS-Aufnahme
  • Haltungssystem
    • Zu weites Tier-Fressplatz-Verhältnis (> 1:1,2)
    • Mangelnder Kuhkomfort (mehr als 20 % der Kühe stehen in der Box)
    • Ungünstiges Stallklima
  • Tierfaktoren
    • Rangkämpfe in der Herde
    • Lahmheit
    • Prädisposition für Stoffwechselerkrankungen
  • Technische Faktoren
    • Zu langes Mischen im Futtermischwagen
    • Strukturkomponenten zu lang oder zu kurz (z.B. Stroh < 3 cm bzw. > 5 cm)
    • Ungenaue Mischung der TMR [4]

Folgende Symptome können oftmals bei SARA beobachtet werden:

  • Es sind immer mehrere Tiere einer Gruppe betroffen
  • Milchfettgehaltsdepression
  • Ungleichmäßige Futteraufnahme
  • Durchfall und veränderte Kotkonsistenz (oftmals sind lange Fasern oder unverdaute Körner im Kot zu finden)
  • Fett-Eiweiß-Quotient unter 1,0
  • Verminderte Milchleistung
  • Verringerte Wiederkauaktivität
  • Tiere sind oft abgemagert und sehen struppig aus
  • Erhöhte Infektionsanfälligkeit, Euter-, Klauen- und Fruchtbarkeitsprobleme, Labmagenverlagerung [1][2] [5] –>mit jeder Euterentzündung sind Kosten verbunden, jede Fruchtbarkeitsstörung verlängert die Güstzeit

Diese Symptome können zum Erkennen von Pansenübersäuerung herangezogen werden. Besonders wichtig ist es, alle Symptome zu prüfen und auch die Zusammenhänge zwischen diesen zu betrachten. Bei ganzheitlicher Betrachtung und unter Berücksichtigung der Fütterungssituation können so die Risiken bezüglich einer SARA relativ gut beurteilt werden.[2]

Von besonderer Bedeutung ist es, die gesamte Gruppe bzw. Herde zu beobachten.

Diagnose von SARA

Wie bereits oben erwähnt, ist es oftmals schwierig subakute Pansenazidose zu diagnostizieren, da es sich um ein äußerst komplexes Geschehen auf Herdenbasis handelt. Tritt zum Beispiel bei drei von zwölf Tieren einer Gruppe ein Pansen-pH von unter 5,5 auf, so kann davon ausgegangen werden, dass eine subakute Pansenazidose vorliegt. Doch ist nicht nur der Grenzwert alleine ausschlaggebend, vor allem das wiederholte Absinken des Pansen-pH-Wertes spricht für eine subakute Pansenazidose. Auch die Art und der Zeitpunkt der Pansensaftentnahme bzw. der Messung des pH-Wertes nimmt großen Einfluss auf das Ergebnis. [2]

Drei mögliche Methoden zur Diagnose sind:

  1. Pansenpunktion
  2. Pansenschlundsonde
  3. Pansen-pH-Wert Messung mit smaXtec pH Plus

Bei der Pansenpunktion wird in der Flanke eine Kanüle in den Pansen gestochen und so Pansensaft entnommen. Der Vorteil dieser Methode ist, dass keine Speichelbeimengung stattfindet, jedoch wird so kein Verlauf sichtbar. Bei einmaliger Entnahme sind nur aktuelle Werte sichtbar. Außerdem ist es ein Eingriff, bei dem es zu einer Verletzung der Bauchwand kommt und durch das Einstechen gelangt Pansensaft zur Wunde und eine schmerzhafte Entzündung kann auftreten.

Wird eine Pansenschlundsonde eingesetzt, so wird eine Sonde über das Maul in den Pansen geschoben und Pansensaft abgesaugt. Eine speichelfreie Entnahme des Pansensaftes ist möglich, ohne die Bauchwand zu verletzen. Auch hier ist kein Verlauf ohne erneute Probennahme sichtbar.

Mit Hilfe von smaXtec pH Plus werden unverfälschte Daten erhoben, die direkt Aufschluss über das Fütterungsmanagement und die Pansengesundheit geben. smaXtec analysiert den pH-Wert im Netzmagen und gibt dem Landwirt Hinweise auf ein erhöhtes Pansenazidose-Risiko. Die smaXtec Technologie erhebt zusätzlich zu Fütterung und pH-Wert auch unterschiedlichste Gesundheitsparameter, welche den Landwirt zusätzlich bei der Diagnosestellung unterstützen. Für den Einsatz des Bolus ist kein operatives Eingreifen notwendig und die Bauchwand wird, anders als bei der Punktation, nicht verletzt.

Für mehr Information über Maßnahmen zur Behandlung und Folgekrankheiten erhalten Sie im nächsten Artikel. Dort wird auch näher auf die smaXtec Technologie in Verbindung mit SARA eingegangen und eine Beispielkurve analysiert.

 

[1] https://www.kuhgesundheit.de/2013/06/25/subaktue-pansenazidose-sara-saurer-pansen-mit-folgen/

[2] https://www.bauernblattsh.de/nachrichten/betriebsfuehrung/details/news/pansenazidose-wenn-sauer-nicht-mehr-lustig-macht.html

[3] https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tierproduktion/rinderhaltung/fuetterung/acidosen.htm

[4] https://www.elite-magazin.de/subakute-pansenazidose-risikofaktoren-und-folgen-9283489.html

[5] https://www.landwirt.com/Subakute-Pansenazidose-vermeiden,,8933,,Bericht.html

single site






Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Melden Sie sich noch heute für unseren Newsletter an,
um stets als Erster über Produktinnovationen, neue
Anwendungen oder andere Neuigkeiten informiert zu werden.

x