Stress bei Milchkühen

Wie sich verschiedene Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden von Kühen auswirken

Stress und Stressfaktoren spielen in der Aufzucht von Kälbern und Haltung von Milchkühen eine wichtige Rolle. Landwirte haben viele Möglichkeiten Stress zu vermeiden und die Situation am Betrieb zu optimieren. Wie auch beim Menschen gibt es unterschiedliche Stressauslöser und davon ausgehende krankmachende Wirkungen.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit den unterschiedlichen Auslösern von Stress. Es soll aufgezeigt werden, welche Einflussfaktoren bei Milchkühen zu Stress führen können, bevor wir uns im nächsten Artikel den Auswirkungen von Stress widmen.

Warum fühlen sich Kühe gestresst?

Wie anfällig ein Tier gegenüber einem Stressor ist, wirkt sich erheblich auf den Zustand und das Wohlbefinden des Tieres aus. Die Sensibilität eines Tieres ist größtenteils genetisch veranlagt. Bisherige Erfahrungen, die draus resultierenden Empfindungen einer bestimmten Situation und die Tagesverfassung der Kuh beeinflussen die Wahrnehmung eines Stressors. Erlernte Reaktionsmuster spielen hier ebenfalls eine große Rolle. Die oben genannten Aspekte können sich auch gegenseitig beeinflussen. Erfahrung nimmt eine zentrale Position ein, da diese bewirkt, dass sich das Tier schneller auf neue Situationen einstellen und dadurch sein Verhalten besser anpassen kann.

Arten der Beanspruchung von Milchkühen

In der Milchwirtschaft müssen sich die Tiere täglich mit einer Vielzahl von Stressoren unterschiedlicher Art auseinandersetzen. Potentielle Stressoren sind:

  • Geburt (Schwergeburten etc.)
  • Sozialverhalten (Herdenhierarchie, Gruppenwechsel, Tier-Mensch-Beziehung)
  • Fütterung
  • Haltung (Laufstall, Anbindehaltung, Gruppenhaltung, Weidehaltung)
  • Isolation von der Herde, kein Sichtkontakt (z.B. befinden sich Abkalbebereiche oftmals etwas abseits)
  • Umwelt (Hitze, Kälte)
  • Transport und Umstallung
  • Wechsel von Melkpersonal und anderen Kontaktpersonen
  • Endogene Faktoren (Milchleistung, Krankheit, Beeinträchtigungen)
  • Oxidativer Stress (Bildung reaktiver Sauerstoffprodukte, die schädlich für den Organismus sind und Zellschädigungen verursachen) [1] [2] [3]

Potenzielle Stressoren, die die Leistung und Tiergesundheit nachhaltig beeinflussen können, verändern sich mit dem Alter der Tiere (Kälber, Jungrinder, Kühe).

Stress, der durch das Melken verursacht wird, kann zum Beispiel mit der Art des Melkstandes zusammenhängen. Der Fischgräten- und der Side-by-Side-Melkstand bringen erheblichen Stress für Kühe mit sich. Einerseits ist wenig Abstand zwischen den Kühen, was bedeutet, dass die Individualdistanz unterschritten ist und es keine Ausweichmöglichkeiten gibt.  Andererseits ist die visuelle Kontrolle der Kuh übers Melken deutlich eingeschränkt, da von der Seite und von hinten gemolken wird. [4] Nach der ersten Abkalbung stellt auch das Einmelken eine große Belastung dar, denn für die Tiere ist es eine völlig unbekannte Situation. [3] Für ältere Kühe bzw. Kühe mit einer höheren Anzahl an Laktationen ist dies weniger stressig.

Das Sozialverhalten und der damit einhergehende Stress sind auch keineswegs zu unterschätzen. So stellt zum Beispiel die Umstallung von Kühen (vor allem bei Färsen) einen gravierenden Stressor da. Eine solcher Gruppenwechsel kann zu Rangkämpfen führen, die womöglich in einer unzureichenden Futteraufnahme, gestörter Wasseraufnahme oder verminderter Ruhezeit enden. [1]

Stress ist nicht nur für Kühe eine enorme Belastung, sondern auch für Kälber. Deshalb sollten Stressoren bei Geburten auf ein Minimum reduziert werden. Einer der häufigsten Stressoren bei Geburten sind unnötige oder nicht angepasste Geburtshilfen. Sowohl Kuh als auch Kalb können bei einer unpassenden Geburtshilfe zu Schaden kommen (z.B. Zerrungen). Auch nach der Geburt gibt es weitere stressauslösende Situationen für Kälber – beginnend beim Transport in ein Iglu. [1]

Welche gravierenden Auswirkungen Stress auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Leistung der Milchkühe hat, wird im nächsten Artikel näher besprochen.

[1] http://www.hofgut-neumuehle.de/035.Fachinformationen/01.Rinder/pdfs/Stress_2017.pdf

[2]https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/16308

[3]https://www.elite-magazin.de/news/nachrichten/gestresste-kuehe-werden-schlechter-tragend-9282017.html#

[4]https://www.agroscope.admin.ch/dam/agroscope/de/dokumente/aktuell/Veranstaltungen/melktechniktagung/2015/08-waiblinger.pdf.download.pdf/08_Stress-Milchkuehen_Waiblinger.pdf

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