Der erste Schnitt – die Maht

Wie aus Gras Silage wird: Eines der wichtigsten aber auch kritischsten Ereignisse im Jahr eines Landwirtes ist der sogenannte erste Schnitt. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Welche Methoden gibt es zur Bestimmung? Und warum ist der erste Aufwuchs so wichtig? Auf all diese Fragen wird im folgenden Artikel eingegangen.

Den größten Anteil der direkten Kosten in der Milchviehwirtschaft nehmen jene für die Bestandsergänzung sowie für Kraft- und Grundfutter ein. Daher sollte das Ziel jedes Betriebes sein, möglichst viel Milch aus dem Grundfutter zu produzieren. Diese Art des Futters nimmt jedoch nicht nur einen großen Teil der Kosten ein, sondern auch einen hohen Anteil in der Ration. Grassilage ist ein hochwertiges Grundfutter und in der Milchproduktion stecken etwa 25% der Gewinnreserven im Bereich Grundfutterqualität. Dies bestätigt, dass der richtige Schnittzeitpunkt und eine gute Qualität des Grundfutters von hoher Wichtigkeit sind. [1]

Silge - Mähen - Erster Schnitt (c) Shutterstock

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Der richtige Zeitpunkt für den ersten Schnitt

Den optimalen Schnittzeitpunkt für den Grünland-Schnitt im Frühjahr ist jedes Jahr eine neue Herausforderung. Besonders wichtig ist der Termin beim ersten Schnitt, denn dieser hat das höchste Qualitätspotenzial und liefert häufig die Futtergrundlage für mehr als sechs Monate. Anfang Mai sind Pflegemaßnahmen, Nachsaaten und Düngung weitgehend abgeschlossen und es steht dem ersten Schnitt des Grünlands nichts mehr im Wege. Der optimale Mähzeitpunkt ist im langjährigen Mittel auf wenige Tage beschränkt. [2]

Doch wie erkenne ich, dass die Pflanze das perfekte Stadium erreicht hat?

Dafür gibt es zum einen die vielbekannte „Bierflaschenmethode“. Bei diesem Vorgehen wird die Wuchshöhe des Grases mit einer stehenden Bierflasche (ca. 26 cm) gemessen und das Gras ist dann schnittreif, wenn es diese Höhe erreicht hat. In den letzten Jahren lag die optimale Wuchshöhe zwischen 25 und 40 cm. Daraus lässt sich schließen, dass diese Methode durchaus ihre Berechtigung hat. Jedoch muss angemerkt werden, dass die richtige Höhe von der botanischen Zusammensetzung des Bestands als auch von Klima, Dünger und Bodenverhältnissen abhängt.

Eine andere Form zur Bestimmung des richtigen Schnittzeitpunkts ist das optimale Entwicklungsstadium der Pflanzen. Für Gras- und Leguminosenaufwüchse wird der Beginn des Ähren-/Rispenschiebens bzw. der Knospe als günstiges Reifestadium gesehen, da so der maximale Energiegehalt des Bestandes eingefahren werden kann. [2] Bei gräserbetonten Beständen sollten sich zum Mähzeitpunkt etwa 50% der Leitgräser (die im Bestand am häufigsten vorkommenden Gräser) im Ähren/Rispenschieben befinden. Dies entspricht beim ersten Aufwuchs etwa der gelben Löwenzahnblüte. Im Stadium „Pusteblume“ beim Löwenzahn ist es für Spitzenqualitäten bereits zu spät. Leguminosen sollten im Knospenstadium und Kräuter spätestens zu Beginn der Blüte geerntet werden. Wenn diese Regeln eingehalten werden ist auch gewährleistet, dass der Rohfasergehalt der späteren Silage den angestrebten Maximalwert von 25% in der Trockenmasse (kurz TM) nicht überschreitet. [3]

Futterqualität des ersten Schnitts

Der erste Schnitt weist bei einem optimalen Schnittzeitpunkt gegenüber den Folgeschnitten einen um bis zu 5% höhere Verdaulichkeit der organischen Substanz* auf. Bei Überschreiten des richtigen Zeitpunkts beträgt der Energieverlust ca. 0,1 MJ/NEL/kg TM. Wird also der optimale Mähzeitpunkt verpassen und erst Mitte bzw. Ende Mai gemäht, dann werden statt 6,2 MJ/NEL nur noch knapp 5,0 MJ/NEL pro Kilo TM in das Silo eingefahren. [5]

Ein zu später Schnitt, vor allem beim ersten Aufwuchs, ist oft Ursache für eine Nacherwärmung. Gleichzeitig wird auch der Wiederaustrieb des Folgeaufwuchses verzögert. [3]

*Energie und Eiweiß sind in Silage in der organischen Substanz gebunden. Eine Kuh muss zuerst die organische Substanz verdauen, bevor Energie und Eiweiß für die Milchproduktion zur Verfügung stehen. Diese Substanz ist nicht komplett verdaulich. Welcher Teil der organischen Substanz verdaulich ist, gibt der Verdaulichkeitskoeffizient an. [7]

Schnittpunkt

Rohfaser g/kg TMInhaltsstoffe Rohprotein g/kg TMEnergie MJ NEL
Durchschnitt2901515,5
Früh (2. Mai)2551896,1
Spät (2. Juni)340775,1
Soll (bis Mitte Mai)220 – 240170 – 190über 6,2

(Abbildung [5])

Hier wird deutlich, dass der Schnittzeitpunkt immer ein Kompromiss zwischen Masseertrag und Futterqualität ist. Frühes Mähen bedeutet höhere Qualität bei geringerem Ertrag. Spätes Schneiden hingegen bringt geringere Futterqualität, die teilweise nur noch schwer zu verwerten ist, aber eine deutlich größere Menge mit sich. [6]

Was leisten Folgeschnitte?

Wie bereits erwähnt bringt der erste Aufwuchs normalerweise den höchsten Ertrag und die beste Qualität, jedoch dürfen die Folgewüchse keineswegs vernachlässigt werden. Denn eine stabile und hohe Futterqualität kann nur garantiert werden, wenn die Schnitte von der ersten bis zur letzten Nutzung vorausschauend terminiert werden.

Die oben genannten Fakten sind Erfahrungswerte und Meinungen verschiedener Quellen, jedoch bleibt die Wahl des richtigen Schnittzeitpunktes, Energiegehaltes, etc. eine betriebsindividuelle Entscheidung.

[1] https://noe.lko.at/wann-ist-der-richtige-schnittzeitpunkt+2500+2413289

[2] https://www.agrarheute.com/pflanze/gruenland/grassilage-richtigen-schnittzeitpunkt-bestimmen-522532

[3] https://sbg.lko.at/zeit-zum-silieren-und-zwar-richtig+2500+2176670

[4] https://www.ballensilage.com/schnittzeitpunkt/

[5] https://www.topagrar.com/archiv/Den-ersten-Schnitt-in-24-Stunden-silieren-146394.html?action=download.

[6] https://www.topagrar.com/archiv/Nach-dem-1-Schnitt-ist-noch-lange-nicht-Schluss-1454399.html

[7] https://www.eurofins.de/agro/agropedia/v/verdaulichkeitskoeffizient-der-organischen-substanz-vcos/

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